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Der Zweitälersteig – anstrengend aber lohnenswert

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Im August bin ich den Zweitälersteig im Schwarzwald gelaufen. Von meiner Wanderung habe ich auch ein Video gemacht, welches ihr euch unten ansehen könnt. 

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Der Fernwanderweg ist allein schon deswegen besonders, weil er ein Rundwanderweg über 5 Tage ist, d.h. er startet und endet am selben Ort: Waldkirch. Das macht den Einstieg besonders einfach, weil man einfach mit dem Auto zum Startpunkt fahren kann und das Auto während der Wanderung einfach stehen lassen kann.  

Der Zweitälersteig wurde 2019 zum schönsten Wanderweg Deutschlands prämiert, weswegen ich Sorgen hatte, dass er überlaufen sein könnte. Dem war jedoch überhaupt nicht so. Wahrscheinlich lassen sich viele von den ziemlich langen Etappen abschrecken. Die haben es nämlich in sich.  

Während man am ersten Tag noch gemütliche 13km läuft, sind es an allen Folgetagen immer über 23km. 

Dazu kommen etliche Höhenmeter bergauf und bergab. Der Weg erfordert also eine sehr gute Kondition.  

Außer mir waren noch ein duzend anderer Wanderer zur selben Zeit unterwegs. Doch auf den langen Etappen hatte man den Weg für sich allein. Jeder startete zu einer anderen Uhrzeit am Morgen und dadurch verteilten wir uns gut auf dem Weg. Die meiste Zeit war man also mit sich und seinen Gedanken allein in der schönen Natur.  

Am ersten Wandertag fuhr ich morgens mit dem Auto nach Waldkirch und startete gegen 10.30 Uhr die Wandertour. Am ersten Tag geht es hinauf auf den höchsten Punkt des Zweitälersteigs – auf den Kandel. Verteilt auf 13km erklimmt man die knapp 1100 Höhenmeter, was etwa 3h reine Laufzeit dauert. Der Weg bestand teils aus Schotterwegen, aber auch viel aus diesen wunderschönen Naturpfaden, die ich so liebe.  

Wanderwege müssen meiner Meinung nach über Stock und Stein, über viele Wurzeln und direkt auf dem Waldboden angelegt sein. Dann macht es richtig Spaß.

Da ich wusste, dass die Etappe relativ kurz ist, ließ ich mir viel Zeit. Ich legte viele Pausen ein und genoss die wiederkehrenden Aussichten auf die umliegenden Täler.  

Meine Mittagspause legte ich auf der Thomashütte ein – eine kleine Schutzhütte mit atemberaubendem Blick auf das Rheintal und die Vogesen.  

Danach ging es nochmal eine halbe Stunde den Berg hinauf und schon war ich am Gipfel angekommen. Hier hatte man eine 360°-Aussicht auf den Schwarzwald, das Rheintal und bis ins Elsaß 

Auf dem Kandel traf ich relativ viele Tagestouristen, die Tageswanderungen machten oder mit dem Motorrad auf den Kandel gefahren waren. Dies sollte sich an den Folgetagen ändern.  

Ab Tag 2 war ich quasi allein unterwegs und begegnete unterwegs kaum Leuten. 

Die zweite Etappe war dann die erste anstrengende. Vor mir lagen 21km, sowie 550 Höhenmeter bergauf und ganze 1400 Höhenmeter bergab. Ich rechnete damit, dass die reine Wanderzeit zwischen 6 und 7 Stunden dauern würde. Also begab ich mir so früh wie möglich auf den Weg und wanderte zügig.  

In den Morgenstunden begegnete ich keiner Menschenseele. Es ging auf Schotterwegen ganz entspannt und leicht bergab durch den Wald, über Hochebenen, vorbei an kleinen Bauernhöfen und vielen Windrädern. Nach zwei Stunden erreichte ich einen verwunschenen Bannwald. Im Schwarzwald gibt es viele davon. Hier wird der Wald komplett in Ruhe gelassen und darf vor sich hin wuchern, wie es ihm gefällt. Deshalb sind diese Wälder besonders wild und es sind Warnschilder angebracht, weil das Risiko von abfallenden Ästen höher ist als in einem geforsteten Wald.  

Es ging nun steil bergab bis zu den Zweribachwasserfällen. Über mehrere Stufen fällt hier das Wasser mitten im Wald bergab. Hier legte ich meine erste kurze Pause ein, trank einen Schluck Wasser, machte meine Fotos, hörte dem Wasser beim Plätschern zu. 

Der Weg windete sich danach immer weiter hinab ins Tal, bis ich unten über eine Holzbrücke stapfte und es wieder bergauf ging – hinein in die Teichschlucht. Auch hier ist ein Bannwald und dieses Mal sah man das ganz deutlich.  

Das Moos überwuchert alles und gibt dem Tal einen märchenhaften und irgendwie gruseligen Anschein. 

Der wunderbare Naturpfad führte entlang des Teichbaches stetig bergauf.  

Vor mir lag nun der steilste Aufstieg des Tages. Den wollte ich noch hinter mich bringen, bevor ich oben auf der Hintereck-Hütte Mittagspause machte. Ich war froh um meine Wanderstöcke, die mir den beschwerlichen Weg hinauf erleichterten. Dennoch kam ich stark ins Schwitzen, bis ich endlich oben an der Hütte ankam.  

Am Brunnen füllte ich mir meine Wasserflasche auf, packte mein Lunchpaket aus, und machte meine wohlverdiente Pause. Hier sah ich auch einige Wanderer wieder, die am Vortag in derselben Unterkunft wie ich übernachtet hatten.

Nach der Mittagspause ging es nur noch bergab. Easy – dachte ich! Aber weit gefehlt.

Der Weg bergab ins Tal war so steil, dass ich erstens nur langsam vorankam und zweitens mein ganzer Körper schmerzte, bis ich unten angekommen war. Ich war fix und alle. Leider hatte ich immer noch 4km vor mir, diesmal zum Glück flach. Also biss ich die Zähne zusammen und schaffte es bis in meine nächste Pension, wo die warme Dusche und ein kräftigendes Abendessen auf mich warten würden. 

Am Morgen von Tag 3 spürte ich den Vortag ordentlich in den Beinen. Ich hatte Muskelkater und die Knie schmerzten auch noch ein wenig.  

Dennoch liefen wir frühmorgens los, denn vor uns lag die längste Etappe des Weges: 25,5km, 1000 Höhenmeter hoch und 1000 Höhenmeter runter. Uff.

Nach dem ersten Aufstieg am Morgen erreichten wir am Vormittag den Hörnleberg, wo es auch eine Bergkirche hat, und ruhten uns kurz auf den Bänken aus. Dann ging es immer weiter hinauf, bis wir auf dem Bergrücken eine Art Hochebene erreichten. Hier wurde die Landschaft weicher und führte über leicht begehbare Wege vorbei an grasenden Kühen und vielen Bauernhöfen.  

Als wir nach knapp 16km unsere Mittagspause machten, spürten wir die Kilometer deutlich in den Beinen. Also machten wir unsere Pause, stärkten uns mit belegten Broten, Müsliriegeln und Äpfeln, und dehnten dann unsere Muskeln. Vom eintönigen Laufen in immer derselben Position wird der Körper nämlich ganz steif 

Die letzten 9km waren wirklich anstrengend. Es ging immer leicht bergab und mitten durch den Wald. Außer einem Pärchen auf Mountainbikes sahen wir den ganzen Tag lang nur noch ein Wanderpärchen und waren ansonsten allein unterwegs.  

Kurz vor dem Ende der Etappe erreichten wir die Kapfhütte oberhalb des Oberprechtals. Hier begegneten wir einigen Wanderern, die in der Schutzhütte übernachten wollten.  

Danach ging es sehr steil hinab ins Tal, aber nach einer weiteren Dreiviertelstunde hatten wir unseren Gasthof erreicht. Wir hatten es geschafft! 

Wir pflegten unsere Füße, nahmen eine warme Dusche, und verdrückten abends eine Riesenportion im Restaurant und danach auch noch Vanilleeis mit heißen Himbeeren. Ein Gedicht!

Leider hatte sich meine Schwester, mit der ich unterwegs war, an Tag 3 dicke Blasen an den Fersen gelaufen, was insbesondere beim bergauf-laufen weh tut. Daher entschied sie sich, den 4. Tag etwas abzukürzen und mich zu einem späteren Zeitpunkt zu treffen. Die ersten 2h des Tages lief ich also alleine.

Es ging steil hinauf auf den nächsten Gipfel, durch viel wildes Grün und mit schönen Aussichten aufs Tal. Unterwegs begegnete ich zwei Wanderern, die den Weg mit einem kleinen Zelt wanderten und unter freiem Himmel schliefen. Zwar ist Wildcampen in Deutschland grundsätzlich nicht erlaubt, in vielen Fällen wird es aber geduldet.  

Dann ging es über schöne Pfade und später entlang eines Schotterwegs hinab bis zum Landwassereck, wo meine Schwester schon wartete. Der Gasthof öffnete gerade, als ich ankam, also tranken wir in aller Ruhe eine Tasse Kaffee, bevor wir uns auf den weiteren Weg machten.  

Ab jetzt ging es stetig leicht bergauf oder bergab, aber nie steil, durch die Wälder, über Wiesen.

Wir entschieden uns, den Tag etwas abzukürzen, weil uns der Vortag noch in den Knochen steckte. Also liefen wir querfeldein bis zu unserer Pension und kamen dort am Nachmittag an, bereit für mehr Kaffee.  

Der freie Nachmittag war auch mal schön. So schlugen wir unsere Bücher auf und genossen den Blick ins Grüne von unserem Balkon und ließen die Seele baumeln.  

Für den fünften und letzten Wandertag war leider Regen angekündigt. Da es vormittags noch trocken bleiben sollte, brachen wir wieder früh auf und ließen uns vom Wirt bis zum Startpunkt der fünften Etappe fahren. Von hier bis nach Waldkirch waren es nochmal 23km. Unser Plan war aber, schon etwas früher ins Tal abzubiegen und dann mit den Öffentlichen nach Waldkirch zu fahren, weil wir nicht stundenlang im Regen laufen wollten.  

Den kompletten Vormittag ging es auf Waldstraßen relativ eben durch den Wald und immer wieder lichtete sich der Blick. Wir sahen immer wieder das Rheintal und die Vogesen. Zwar war der Weg am fünften Tag meiner Meinung nach der unspektakulärste und langweiligste, aber die regelmäßigen Aussichten machten das wett.  

Das Wetter hielt tatsächlich bis zur Mittagspause. Gerade, als wir sagten, dass wir demnächst mal eine Pause einlegen wollten, fing es an zu regnen. Was für ein Pech!

Auf der Suche nach einem trockenen Plätzchen hatten wir aber Glück im Unglück, denn schon nach 5 Minuten Fußmarsch durch den Regen stoßen wir auf eine Schutzhütte mit einigen Bänken und Tischen im Trockenen. Also packten wir unseren Lunch aus und sahen draußen dem Unwetter zu.  

Dass dies mehr als nur Nieselregen war, spürten wir, als wir nach unserer Pause weiterliefen. Wir zogen unsere Regenjacken an und stülpten die Regencover über unsere Rucksäcke, damit unser Gepäck gut geschützt ist. Auf unseren Wanderungen in den Alpen hatten wir immer auch noch Regenhosen und Schuhüberzieher dabei, doch für diese fünf kurzen Tage hatten wir das nicht eingepackt.  

Die Regenjacken hielten uns trocken, doch schon nach wenigen Minuten des Wanderns waren unsere Wanderhosen komplett durchnässt. Es regnete so stark, dass das Wasser über unsere Beine in die Wanderstiefel lief und diese nach und nach nässer und nässer machteEs war höchste Zeit, ins Tal abzusteigen. 

Den Wegzeigern entnahmen wir, dass es nur noch wenige Kilometer bis zu einem Gasthof waren. Also bissen wir die Zähne zusammen, in der Hoffnung, dass wir dort ein Taxi nehmen könnten. Und so kam es dann auch. Am Gasthof angekommen, baten wir den Wirt darum, uns ein Taxi zu rufen 

Eine halbe Stunde später rasten wir mit dem Taxi ins Tal hinab bis nach Waldkirch zurück zu meinem Auto.

Alles in allem hat der Weg mir total gut gefallen. Ich war zum ersten Mal in Deutschland auf einem Fernwanderweg und positiv überrascht. Der Zweitälersteig ist bestens ausgeschildert, sodass man eigentlich kein Kartenmaterial benötigt, sondern immer den Wegzeigern hinterherlaufen kann.  

Überlaufen ist der Weg zudem auch nicht, wohl weil die Etappen lang und anstrengend sind und eine sehr gute Kondition erfordern. Dennoch gibt es eigentlich auf jeder Etappe die Möglichkeit, abzukürzen, früher ins Tal hinabzusteigen, und sich den Zweitälersteig so anzupassen, wie es für einen passt.  

Für meinen Geschmack waren zu viele Wege Schotterpisten. Auf diesen kommt man zwar schnell voran, aber es ist langweiliger darauf zu laufen als auf Naturpfaden. Zudem hat mir das Gefühl, weit weg von der Zivilisation zu sein, gefehlt. Das liebe ich an den Höhenwegen in den Alpen. Wenn man dort oben auf dem Berg steht, sieht man nichts als Berge. Keine Stadt, kein Dorf, nichts. Das gab es im Schwarzwald nicht. Auch wenn die Aussichten schön waren, hat man dennoch immer irgendwo ein Dorf oder eine Stadt gesehen und war eben nie “weit weg”. Der Weg ist also besonders für Wanderanfänger geeignet. Mich und meine Schwester zieht es aber deswegen nächstes Jahr wieder die Alpen. 

Egal, ob ihr Tipps für Fernwanderwege in den Alpen oder im Schwarzwald benötigt, meldet euch gerne bei mir oder dem reiselounge Team! Gemeinsam finden wir den richtigen Fernwanderweg für eure Fitness und eure Bedürfnisse. 

Eure Sarina

Sarina Schiffner
Sarina Schiffner
Ich bin Individualistin. Meine Reisen mache ich am liebsten mit dem Mietwagen. Außerdem wohne ich lieber in kleinen Ferienwohnungen und Landgasthöfen als in anonymen Hotels. Ich lebe vegetarisch/vegan und gehe hin und wieder gerne alleine auf Reisen.