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Serie Nachhaltigkeit (Teil I): Wie nachhaltig ist die Tourismusbranche?

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Nachhaltigkeit im Tourismus – ein aktuelles Thema, das uns alle angeht

Der fortschreitende Klimawandel, die globale Ressourcenverknappung und die Gefährdung der natürlichen Lebensgrundlagen rücken zunehmend in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Auch für die Tourismusbranche ist der Fortbestand des Lebensraums mitsamt seinen natürlichen Ressourcen von größter Bedeutung. Die Branche wächst weltweit hat weitreichende Effekte auf die Umwelt, Wirtschaft und sozialen Gegebenheiten unseres Planeten.

Deswegen wollen wir diese Serie aus 3 Blogartikeln dem großen Thema Nachhaltigkeit widmen. In Teil 1 definieren wir, was Nachhaltigkeit überhaupt ist. In Teil 2 erklären wir, worauf jeder Reisende achten kann, um seinen Urlaub etwas nachhaltiger zu gestalten. Und in Teil 3 stellen wir ein tolles Positiv-Beispiel vor, welches Hoffnung macht auf weitere positive Entwicklungen in der Tourismusbranche.

Doch was ist Nachhaltigkeit eigentlich? Wie lässt sie sich messen? Und was bedeutet sie für unseren individuellen Urlaub? Auf all diese Fragen versuchen wir im folgenden Antworten zu finden.

Hierzu sollte zunächst genau definiert werden, was Nachhaltigkeit überhaupt ist.

Eine verbindliche und alles umfassende Definition von Nachhaltigkeit existiert bisher nicht. Dafür ist der Begriff zu komplex und zu dynamisch. Die meist zitierte und bekannteste Annäherung an eine Definition des Begriffs stellt die folgende Stelle des Brundtland-Berichts von 1987 dar: „Sustainable development is development that meets the needs of the present without compromising the ability of future generation to meet their own needs.”1 Nachhaltige Entwicklungen in der Gegenwart sind also solche, die die Möglichkeiten der zukünftigen Generationen nicht einschränken.

Nachhaltigkeit wurde bereits im Jahre 1992 in der auf der Rio-Konferenz verabschiedeten Agenda 21 als ein umfassendes Ziel definiert. Der Schutz der Umwelt und der kulturellen Identität sollten in ihrer Wichtigkeit den wirtschaftlichen Belangen um nichts nachstehen. Entsprechend orientieren sich nachhaltige Handlungsempfehlungen immer an allen drei Bereichen: Ökologie, Ökonomie und Soziokultur.

Wirklich nachhaltig sind Handlungen, die Ökologie, Ökonomie und Soziales unter einen Hut bekommen.

Nachhaltigkeitsdreieck

Grafik: Felix Müller, freigegeben als CC-BY-SA-4.0 [https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en] via Wikimedia Commons (bearbeitet von Sarina Schiffner, M&C Travel Events GmbH)

Dieser Grundsatz wird oft im sogenannten Dreieck der Nachhaltigkeit grafisch dargestellt.2

Auf der einen Seite des Dreiecks steht die Ökologie. Ökologisch nachhaltig ist, wenn nur so viele erneuerbare Ressourcen genutzt werden, wie in derselben Zeitspanne nachwachsen oder erzeugt werden können. Zudem sollten Reststoff- und Abfallmengen nicht über dem Assimilationsvermögen der Umwelt liegen. Die Menge an Abfallstoffen, die in Endlagerstätten gehalten werden, sollte so gering wie möglich gehalten werden. Außerdem sollte der ästhetische Wert der Natur- und Kulturlandschaft erhalten bleiben. Kurz: Ökologisch nachhaltig ist, was die Umwelt schützt und für zukünftige Generationen erhält.

Wirtschaftliche Aktionen sind dann nachhaltig, wenn sie die materiellen und immateriellen Grundbedürfnisse befriedigen und sichern, der Mindestlebensstandard langfristig gewährleistet ist und ein menschlich geschaffenes Produktionssystem entwickelt und gesichert wird.

Darüber hinaus enthält das Nachhaltigkeitsdreieck noch den sozialen Aspekt. Dieser setzt voraus, dass die Partizipation der Bevölkerung eines Landes an dessen Entscheidungen gewährleistet ist, die Emanzipation der Bevölkerung ermöglicht wird, und ein menschliches Gesellschaftssystem erschaffen wird, das sich stets weiterentwickelt.2

Deshalb kann eine Entwicklung erst dann als nachhaltig angesehen werden, wenn sie gleichermaßen sozial gerecht, ökologisch tragbar und ökonomisch effizient ist.3

Die Tourismusbranche ist im Thema Nachhaltigkeit weit hinterher. Doch die Aufholjagd beginnt.

Es scheint unerklärlich, dass das Thema Nachhaltigkeit in einem der wichtigsten Bereiche unseres Lebens – im Urlaub – immer noch bei sehr vielen Menschen ins Hintertreffen gerät. Die wenigsten Reisenden machen sich bei der Planung Ihrer Reisen Gedanken darüber, wie schädlich Langstreckenflüge sind, wieviel Wasser für das Waschen von Hotelhandtüchern verbraucht wird, woher die Hotels Ihre Lebensmittel beziehen, ob der Müll des Hotels ordentlich entsorgt wird und ob die einheimische Bevölkerung vom Tourismus profitiert.

Sehr langsam findet jedoch bei einigen Akteuren des Tourismus (z.B.: Reiseveranstalter, Hoteliers, Transportunternehmen) als auch bei den Reisenden ein Umdenken statt. Die Tourismusbranche macht Urlauber verstärkt auf das Thema Nachhaltigkeit aufmerksam und die einzelnen Akteure arbeiten gemeinsam daran eine Entwicklung hin zu einem nachhaltigeren Tourismus zu verwirklichen.

So existieren bereits mehr als 180 relevante Nachhaltigkeitssiegel im Tourismus, die von der zentralen Akkreditierungsstelle für nachhaltigen Tourismus (Global Sustainable tourism Council GSTC ) an die Akteure vergeben werden.

Die mit diesen Siegeln markierten Angebote stehen für:

  • Nachhaltiges Management
  • Sozioökonomische und kulturelle Verantwortung
  • Nachhaltigen Umgang mit der Umwelt

In den Buchungssystemen der Tourismusbranche und bei den Veranstaltern werden nachhaltige Angebote bereits oftmals gekennzeichnet. Viele Reiseveranstalter informieren auf ihren Internetseiten und über ihr Engagement in Sachen Nachhaltigkeit. Hier finden sich auch Angaben zu unternehmenseigenen Siegeln und Auszeichnungen. In den Reisekatalogen der Veranstalter, wie beispielsweise Thomas Cook, wird ebenfalls auf Nachhaltigkeit hingewiesen, indem z.B. besonders nachhaltige Hotels mit Siegeln gekennzeichnet sind.

Iberostar Mexiko Nachhaltigkeit

Besonders hervorzuheben im Umgang mit dem Thema Nachhaltigkeit im Tourismus sind die positiven Beispiele der Hotelkette Iberostar und der Reederei Hurtigruten.

Iberostar möchte bis 2019 alle Hotelzimmer der Kette komplett plastikfrei gestalten. Produkte wie Toilettenartikel, Taschen für Hausschuhe oder Kleidung und Artikel aus der Minibar werden in den 36 Hotels der Gruppe ersetzt. Statt Plastik kommen dann Materialien wie Glas, kompostierbarer Karton oder erneuerbare pflanzliche Produkte zum Einsatz. Durch die Eliminierung der 1,5 Millionen Plastikflaschen, die in den Hotelzimmern von Iberostar nicht mehr verwendet werden, werde allein in Spanien die Produktion von 43 Tonnen Plastikmüll verhindert, sagt Iberostar.

Zusätzlich hat das Unternehmen kürzlich ein Projekt ins Leben gerufen, das unter dem Namen „A Wave of Change“ die Reduzierung der Plastikverschmutzung in den Meeren, die Förderung einer nachhaltigen Fischerei und den Schutz der Korallenriffe des Mittelmeeres unterstützen soll. Mit diesem Projekt will Iberostar die Aufmerksamkeit der Mitarbeiter und Gäste auf den täglichen Kampf gegen den Klimawandel lenken.5

Auch die norwegische Reederei Hurtigruten möchte die gesamte Postschiff-Flotte frei von Einweg-Plastik machen. „Allein an Strohhalmen habe man bisher einen Jahresverbrauch von 960.000 Stück. Dazu kamen 390.000 Plastikbecher und 826.000 Butterverpackungen, die im Müll landeten. Dieser Entwicklung müsse auf jeden Fall schleunigst entgegengewirkt werden.“ erklärt CEO Daniel Skjeldam.6

So banal diese Beispiele auch wirken, ist es doch umso wichtiger, dass diese Veränderungen Einzug in die Tourismusbranche halten und begonnen wird, Verantwortung zu übernehmen.

Damit auch du deinen Beitrag zu dieser Entwicklung leisten kannst erzählen wir dir in Teil 2 unserer Serie zum Thema Nachhaltigkeit im Tourismus, was du persönlich auf deinen Reisen beachten kannst, um deinen Urlaub ein bisschen nachhaltiger zu gestalten.

Komm bei Fragen doch einfach in der reiselounge auf mich zu. Ich freue mich!

Eure Corinna

 

 

Quellennachweise:

1 Thomas Petermann, Tourismus in Großschutzgebieten, Impulse für eine nachhaltige Entwicklung, 2003, S.135ff/  Becker et al. 1996, S. 5

2 http://www.johannes-lichdi.de/uploads/pics/nachhaltigkeitsdreieck.jpg

3 Vgl. EBERLE 2001, S. 9 und BECKER et al. 1996, S. 4(Diplomarbeit, Anja Olligschläger S.5ff

4 https://green-counter.drv.de/media/artic/content1/index.html#/lessons/dExu2AJaWkkEcUFZsF9RN3EJPypYhJhi?_k=qdz2dy

5 https_www.tageskarte.io_hotellerie_detail_iberostar-verzichte.pdf

6 http://www.travelmole.com/news_feature.php?news_id=2032078

Fotos: Hurtigruten, Pixabay.com, Wikipedia Commons

Corinna Schmieder
Corinna Schmieder
Nach meinem Studium war ich über mehrere Jahre immer wieder in Afrika unterwegs. Insbesondere Namibia kenne ich wie meine Westentasche. Jetzt beschäftige ich mich viel mit der Nachhaltigkeit im Tourismus und reise auch gerne mal in die Nähe, zum Beispiel zum Wellness-Wochenende nach Bayern, zum Wandern nach Österreich, oder zum Skifahren in die Schweiz. Auf meiner Bucket List stehen aber dennoch auch Fernreiseziele - unter anderem Hawaii und das östliche Afrika. Dahin will ich schon lange. Hoffentlich klappt das bald!