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Unabhängig und frei – mit der Familie im Wohnmobil durch die Nationalparks Amerika

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Unabhängig und frei – mit der Familie im Wohnmobil durch die Nationalparks Amerikas

Eine Reise durch die Nationalparks der USA im Wohnmobil – als junge Familie waren diese Urlaube ein Höhepunkt für uns 

In die Vorbereitung steckte ich viel Zeit und Arbeit. Ich plante die Reiseroute und dachte genauestens darüber nach, welche Nationalparks man miteinander verbinden könnte. Ich liebte es, mich wochenlang durch die Reiseführer zu lesen, die Wanderführer nach schönen Wanderungen zu durchsuchen oder die Infoseiten der Nationalparks im Internet durchzuschauen, um mir ein umfangreiches Bild davon zu machen, was wir genau erleben wollen.  

Ein Tipp gleich vorweg: Wenn man mit Kindern reist, empfiehlt es sich, sich pro Reise auf eine bestimmte Region festzulegen und nicht zu viel auf einmal zu machen. Letztendlich waren wir 4 Mal mit den Kindern auf Tour und es war jedes Mal eine Traumreise. 

Dann stellten sich die Fragen, was wir mitnehmen, was brauchen wir unbedingt, was kaufen wir vor Ort, was mieten wir über den Wohnmobilvermieter an.  Organisatorisch sind die verschiedenen Wohnmobilanbieter sehr ähnlich aufgestellt und bieten normalerweise ein Wäschepaket, Küchenausstattungspakete sowie auch Mietmobiliar an.  

Wegen der restriktiven Gepäckbedingungen der Fluggesellschaften muss man genau darüber nachdenken, wo man welche Campingausrüstung herbekommt, denn alles mitnehmen ist keine Option.

Dann stellt sich die Frage nach den zu fahrenden Kilometern, was den Mietpreis für das Wohnmobil beeinflusst. Auch die Größe bzw. Bettenanzahl des Wohnmobils beeinflussen den Preis. Oft muss auch eine Rückfuhrgebühr beachtet werden, wenn man an einem anderen Ort das Wohnmobil abgibt als man es übernimmt.  

In der Regel muss man schon einen Tag vor der Übernahme des Wohnmobils nach USA reisen, weil es zeitlich nicht anders geht. Wir haben das immer für uns genutzt und vor dem Abholen des Wohnmobils Städte wie Denver, Salt Lake City, San Francisco und Seattle besucht. So waren auch die ersten Tage mit JetLag schnell überstanden. Überall kann man sein Hotel so buchen, dass man dann am Übernahmetag im Hotel abgeholt wird. Die Einweisung, Ausstattungsübergabe und das Einräumen des Wohnmobils dauerten immer etwa 2-3 Stunden und dann fährt man los in die Freiheit.

Bei der genauen Planung der Reiseroute spielen kleine Details wie mögliche Übernahme- und Rückgabestation, die Entfernungen zwischen den Parks und Highlights auf den Strecken eine große Rolle. Und die Frage nach den möglichen RV-Campgrounds. Uns war immer klar: Am liebsten mitten im Park.  

Egal ob mit oder ohne Strom, mit oder ohne Wasseranschluss – wir wollten inmitten der Natur campen. Kein einziges Mal war dies die falsche Entscheidung!

In vielen amerikanischen Nationalparks muss man sehr frühzeitig die Campingplätze reservieren. Die Internetseiten sind hervorragend gemacht und geben sogar einen Lageplan der einzelnen Stellplätze mit allen Ausstattungsmerkmalen an. Das hat uns immer am meisten Freude bereitet, denn zusammen mit den Campingplätzen geht auch meist die Planungen aller Unternehmungen im Park einher. Welche Vorträge der Rangers möchte man hören, welche Veranstaltungen der Ranger interessieren uns? Braucht man noch Holz für das Lagerfeuer am Abend? Auch die am besten vom Stellplatz ausgehenden Wanderungen kann man so einplanen. 

Die Wanderwege sind das Highlight aller Parks: Fauna, Flora und Tierwelt ganz nah erleben. Im Yosemite waren wir sogar auf einer mehrtägigen Wanderung und haben sowohl Zelt als auch Essen über Stock und Stein getragen. Nachts haben uns die Bären auf Trab gehalten, tagsüber überwanden wir 1000 Höhenmeter, überquerten blühende Blumenwiesen, trafen auf Elche, die sich in den Weg stellten oder einmal sogar eine Klapperschlange, die sich uns hochaufgerichtet gegenüberstellte. Von den unzähligen, uns zum Teil unbekannten Vogelarten und den vielen Eichhörnchen, die aus auf dem Weg begleiteten, ganz zu schweigen.  

Eine Mehrtageswanderung in den Parks ist eines der schönsten Erlebnisse

Abends schlägt man um die Rangerstation sein Zelt auf, hängt die Rucksäcke auf den Bäumen auf oder verbarrikadiert alles in Eisenverschläge. Alles damit der Duft keine Bären anlockt. Man ernährt sich von Trockenfutter, Müsli und Riegel. Isst froh seinen frischen Apfel und freut sich abends am Lagerfeuer über die herrliche Tagesstrecke, die man hinter sich gebracht hat. Der Ranger kommt bis zur Nachtruhe vorbei und gibt noch Hinweise was man wo am nächsten Tag noch sehen und erleben kann und sehr früh verkriecht sich jeder in sein Zelt. Und dann beginnt die Musik des Waldes zu spielen. Anfänglich empfand ich das als störend und es hielt mich vom Schlafen ab. Nach dem zweiten Tag waren wir aber abends so müde, dass wir fast augenblicklich in einen tiefen Schlaf versanken. 

Und doch kommt dann plötzlich Unruhe auf dem Zeltplatz auf. Man nimmt ein Brummen wahr. Ein Schnüffeln an der Zeltwand. Ein Tierkörper reibt sich am Zelt entlang. Man hält den Atem an: Ist das der Bär? Im Nachbarzelt wagt ein ganz mutiger den Reisverschluss des Zeltes zu öffnen und ruft allen anderen zu, dass sich nur ein neugieriger Hirsch im Lager verirrt hat. Also wieder Augen zu und entspannt weiterschlafen bis zum frühen Morgen. Die Katzenwäsche, oder – wer es kann – auch die große Morgentoilette, nimmt man im oder am nahegelegenen Bach zu sich. Auch dafür geben die Ranger klare Verhaltensregeln vor. Es ist alles ein Erlebnis! Und wenn man dann nach 4 Tagen wieder zurück zum Wohnmobil kommt, sind alle froh wieder einmal in einem gemütlichen Bett zu schlafen und sich ausgiebig duschen zu können.

Eine Die Reise mit dem Wohnmobil steht für Freiheit und Unabhängigkeit. Man ist mobil und doch zuhause

Wir haben auch die Tatsache, dass wir nur mit dem Nötigsten ausgestattet waren, als sehr angenehm empfunden. Irgendwie war man „ballastfrei“. Es ist gemütlich und obwohl man auf engstem Raum zusammenlebt, ist unendlich viel Raum für alle vorhanden. Jeden Tag erlebt man Überraschungen, sowohl auf dem Weg zum nächsten Campingplatz als auch auf den Plätzen selbst. Man unternimmt kleine Ausflüge, hat herrliche Aussichten oder ist einfach mal ganz faul und genießt einen ruhigen Tag mit Lesen oder Tagebuch schreiben. Man ist inmitten der Natur und schon das allein entschleunigt 

Nicht zu übersehen: Die Tierwelt ist sehr, sehr nahe. Die Rehe, die in unserer Nähe leise grasen und sich überhaupt nicht durch uns gestört fühlen. Die Waschbären, die neugierig ums Wohnmobil kreisen. Die Eichhörnchen, die immer auf der Suche nach neuer Beute sind. Die Bisons, die auf den weiten Ebenen unterwegs sind oder aber auch die Elche, die immer wieder unseren Weg kreuzen. Und das alles ist gepaart mit unendlich viel schöner und abwechslungsreicher Natur.  

Irgendwann sagte ich einmal: „Hier lauert hinter jeder Kurve eine neue Landschaft.“

Ob steile Serpentinenstraßen im Hochgebirge, lange Pass-Straßen entlang der Höhenzüge mit atemberaubenden Fernsichten über die Canyons und deren Landschaften, in der Abendsonne glühend rote Gesteinsformationen und karge, beeindrucken Felsenlandschaften, unendliche, blühende Blumenwiesen, Riesenbäume und hinreißende Flusslandschaften und nicht zu vergessen, die Weite der Wüstenlandschaften. Man wandert, läuft und fährt durch diese begeisternde Natur und hält an, wo es einem gefällt.

Mit der Zeit findet man seinen RhythmusTagsüber wird etwas unternommen, und am frühen Nachmittag kommt man zurück zum fahrenden Zuhause oder eben auch bereits am nächsten Campingplatz, baut alles auf und heizt den Grill für das abendliche gemeinsame BBQ aufMan kocht zusammen. Da fast jeder Stellplatz mit einem Holztisch mit Bänken ausgestattet ist, findet dort das gemeinsame Leben statt. Natürlich vorausgesetzt, es regnet nicht.  

Die meisten Stellplätze sind traumhaft gelegenMeist gibt es entweder Bäche oder kleine, eiskalte Flüsse, in welchen die Kinder im Sommer noch baden können. Auf ganz wenigen Plätzen gibt es sogar einen Swimmingpool. Oder wir spielen Federball, Beachball oder Volleyball. Wir lesen oder genießen das Nichtstun. Freuen uns über den Sonnenuntergang: Mal mit, mal ohne Drink in der Hand! 

Da wir immer mit anderen Familien zusammen unsere Reisen unternommen haben, war immer was los. Oft haben wir abends auch noch kleine Wege zu einem Aussichtspunkt unternommen, um wunderschöne Sonnenuntergänge zu erleben. Sehr empfehlenswert sind auch die Ranger-Veranstaltungen in den Parks zu ganz unterschiedlichen Themen. 

Wir haben uns nie eingeengt gefühlt, sondern haben jeden Tag genussvoll erlebt. Im Wohnmobil solch tolle Landschaften zu erfahren hat uns immer ganz ruhig, entspannt und sehr glücklich gemacht. Und ja, es ist eine Art des Reisens mit einer gewissen Leichtigkeit, mit viel Zufriedenheit und außerordentlichem Genuss. 

Eure Manuela

Manuela Schiffner
Manuela Schiffner
Ich mag es gerne etwas luxuriöser und exklusiver. Auf meinen Reisen rund um den Globus achte ich auf höchste Qualität bei den Hotels und Kreuzfahrtschiffen. Mein größter Reisetraum ist eine Expeditionskreuzfahrt in die Antarktis zu machen. Außerdem wandere ich für mein Leben gern.