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Mit Sicherheit Indien?! Wie es ist, als Frau alleine durch Indien zu reisen

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Hallo! Ich bin Friederike. Ich war schon in den tollsten und unterschiedlichsten Ländern auf Reisen. Vielmals auch ganz alleine.

Als ich gebeten wurde, einen Gastbeitrag über eine meiner Reisen zu berichten, konnte ich mich nur schwer für ein Reiseziel entscheiden. Letztlich fiel die Auswahl auf eine meiner aufregendsten Reisen. Indien fasziniert bis heute viele Leute aller Altersklassen. Doch gleichzeitig empfinden viele das Land als unsicher – wohl wegen seiner fremden Kultur, der vorherrschenden Armut und den negativen Schlagzeilen in den Nachrichten.

Ich selbst bin schon alleine durch Indien gereist und möchte daher heute mit euch teilen, ob man eine Indienreise auch als Frau so gestalten kann, dass man sich sicher fühlt und sorgenfrei die Reise genießen kann.

Vorher: Die Planung meiner Reise

Als ich die Einladung erhielt, meinen nächsten Urlaub in Indien zu verbringen, war mir noch nicht bewusst, wieviel Herzklopfen mir diese Reise bereiten würde. Die Einladung hatte ich von indischen Freunden erhalten, die ich im Herzen des Schwabenlandes kennengelernt hatte. Mit ihnen bewegte ich mich in meiner Komfortzone. Ich nahm zwar erste kulturelle Unterschiede wahr, doch stellte auch erste Gemeinsamkeiten fest.

Die ersten Schritte fielen mir noch leicht: Einen geeigneten Reisezeitraum finden, das Visum beantragen, eine Auslandkrankenversicherung abschließen, Urlaub bei der Arbeit einreichen, ein Flugticket buchen. Alles ganz normal.

Doch dann rückte der Zeitpunkt der Abreise näher. Es war also höchste Zeit, die Reise genau zu planen. Mumbai war der Ankunftsflughafen und würde somit mein erstes Ziel in Indien sein. Danach wollte ich einige Tage allein auf Reisen gehen, um dann gemeinsam mit den Freunden einige Tage in Goa zu verbringen und den Rückflug aus Bangalore anzutreten.

Ein Reiseführer, ein Laptop und ein Smartphone lagen neben mir. Ich scrollte mich durch Reisetipps und Tricks, las Seite über Seite an Sehenswürdigkeiten, kulinarischen Spezialitäten und die besten Transportmöglichkeiten in Indien. Die Flut an Reiseführern und Onlinebeiträgen schien endlos. Doch nach langem Überlegen legte ich meine Reiseroute fest: Ich würde von Mumbai über Pune nach Goa reisen.

Während der Reiseplanung sah ich unzählige Zeitungsartikel und Nachrichten mit Titeln wie: „Begrapscht und begafft – Frauen in Indien“ oder „Massenvergewaltigung in Indien“.

Trotz einer gewissen Erfahrung durch vorherige Reisen hatte ich plötzlich Angst um meine Sicherheit. Natürlich stellte ich mir dir Frage, ob es eine gute Idee war, in diesem Land alleine auf reisen zu gehen.

Ich verbrachte einen kompletten Nachmittag damit, mich durch Horrorgeschichten und schrecklichen Szenarien durchzuklicken. Auch von Familienmitgliedern und Freunden erhielt ich beängstigende Nachrichten rund ums Reisen in Indien. Ich dachte mir: „Ok, gut, Indien und ich, das wird in diesem Leben wohl doch nichts mehr“. Mein Bauch sagte mir, dass ich die Riese lieber abbrechen sollte.

Normalerweise höre ich auf meinen Bauch. Ich bin im nachhinein so froh, dass ich es in diesem Moment nicht getan hab. Wie schade wäre es gewesen, mir die Chance entgehen zu lassen, der Einladung nach Indien zu folgen und gemeinsam mit Einheimischen durch dieses besondere Land zu reisen! So schloss ich also entschlossen den Laptop, schaltete die Nachrichten ab und saß einige Wochen später im Flieger nach Mumbai.

Während des Flugs kann ich nicht klar sagen, ob mein Herz vor Vorfreude oder Nervosität klopft. Wahrscheinlich eine Mischung aus beidem.

Wie ich Indien erlebte, als ich alleine unterwegs war

In meinen Tagen allein lernte ich vieles über das Land, das Volk und auch mich selbst. Ich traf Menschen aus der ganzen Welt kennen – unter anderem einen auffallend großen und blonden Schweden, mit dem ich auf Entdeckungstour ging. Wir waren kaum in der Lage zehn Meter zu laufen, ohne dass jemand ein Foto mit uns – wohl etwas mehr von ihm als von mir – machen wollte. So fühlt sich wohl das Leben eines Stars an. Zwischen dem lauten Verkehr und den schmutzigen Straßen Mumbais fanden wir tolle Restaurants und Cafés, in denen wir immer wieder klimatisierte Pausen einlegten.

Ein paar Tage später saß ich in einem fast leeren Zug auf dem Weg nach Pune. Ich teilte mir einen ganzen Wagon mit einem einzigen jungen indischen Mann. Es sollte sich später herausstellen, dass er mein persönlicher Guide durch ganz Pune werden sollte. Erst half er mir nur dabei, den richtigen Sitzplatz im Wagon zu finden. Doch als wir dann an der gleichen Haltestelle ausstiegen, bot er mir an, ein Uber für mich zu buchen. Ich nahm dankend an und war froh darüber, einmal nicht mit den Taxifahrern über den Preis der Fahrt verhandeln zu müssen. Außerdem hatte ich darauf verzichtet, mit eine SIM-Karte für mein Handy zu kaufen, und hatte daher außerhalb eines WLANs kein Internet auf dem Handy.

Am nächsten Tag wollte ich mich für seine Hilfe bedanken. Irgendwie entwickelte sich aus dem Treffen gleich eine Tour durch ganz Pune. Ich bekam eine ausführliche Einführung zum Leben in Pune und all seinen kulinarischen Spezialitäten.

Von dort aus ging es dann weiter bis nach Goa. Nachdem von mehreren Fahrgästen sichergestellt wurde, dass ich am frühen Morgen auch wirklich an der richtigen Haltestelle aussteige, stellte sich ein anderer Fahrgast sogar seinen Wecker, um mich auf meinen Ausstieg an der richtigen Haltestelle hinzuweisen. Diese Art der Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft begegnete mir während meiner Zeit alleine immer wieder.

Ich wurde in allen Hotels, Unterkünften und Restaurant sehr freundlich und offen empfangen. Mir wurden Plätze gezeigt, die ich in keinem Reiseführer hätte nachlesen können – und wenn es nur der Mann mit den besten Kokosnüssen im kleinen Park am Rande der Stadt war.

Nur einmal fühlte ich mich während meiner Zeit alleine etwas unsicher: Während einer Fahrt mit dem Nachtbus. Bei einem Stopp für eine Pinkelpause mitten in der Nacht hatte ich das mulmige Gefühl, beobachtet zu werden. Also verschwand ich nach einer schnellen Zigarette sofort wieder im sicheren Bus.

Außer der Nachtbuserfahrung konnte ich bis dahin nur Positives von Indien und seinen Leuten berichten. Ich fühlte mich im Land sehr aufgehoben und traf immer wieder auf Menschen, die sich bemühten, mir einen schönen und sicheren Aufenthalt in Indien zu bescheren.

Gemeinsam mit Freunden unterwegs in Goa

In Goa traf ich dann meine Freunde aus Deutschland. Sobald ich in der Gruppe unterwegs war, veränderten sich meine Erfahrungen bezüglich der Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft.

In den Stunden, wenn ich alleine am Strand lag, traf ich immer wieder aufs Neue die schon kennengelernte offene und freundliche Art der Inder. Doch sobald diese hörten, dass ich mit indischen Freunden unterwegs sei, schrumpfte das Interesse der Leute auf ein Minimum.

Auch bei der Begrüßung in kleinen Läden und Bars war die Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft nur noch halb so groß, sobald meine Freunde hinzukamen. Manchmal wurde ich sogar komplett ignoriert.

Abenteuerliche Autofahrt: „Hampi Hampi“

Die Weiterreise nach Bangalore sollte dann gemeinsam mit meinen Freunden im Auto stattfinden. Eine Fahrt von ca. 550km und 13 Stunden. Uff.

Tatsächlich war die Autofahrt nervenaufreibend. In Indien ist die Linie zwischen Fahrer und Beifahrer nicht so starr wie vergleichsweise in Deutschland. Während man sich in Deutschland fragt, ob man als Beifahrer „es ist grün“ sagen darf, sind in Indien alle Insassen in die Fahrt involviert. Der erste, der eine Bodenwelle sieht, ruft wild durchs Auto: „Hampi, Hampi“. Es war eine spektakuläre Fahrt, die ich mit viel Herzklopfen sicher überstand.

In Bangalore verbrachte ich ein letztes Wochenende in der Heimatstadt meiner Freunde und konnte dort Familie und Freunde kennenlernen, bevor es zurück nach Deutschland ging. Ein schöner Abschluss einer wilden Reise.

Wieviel Angst lohnt sich also nun wirklich, wenn man in Indien als Frau allein reisen geht?

Es lässt sich nicht bestreiten, dass in Indien Gefahren für Alleinreisende Frauen bestehen. Neue Länder und andere Sitten können zudem erst einmal erschreckend sein.

Nach meiner Reise und den gesammelten Erfahrungen muss ich allerdings sagen, dass Angst nicht der richtige Begleiter während so einer Reise ist. Alleinreisende Frauen sind dennoch gut angehalten, ihren gesundem Menschenverstand einzusetzen und einen gewissen Respekt vor dunklen Gassen erhalten. Wer sich zudem an ein paar Regeln hält, dem sollt ein offenes und freundliches Land gegenüberstehen.

9 Tipps, die Alleinreisende beachten sollten, um für Sicherheit zu sorgen:
  • Sich dezent kleiden. Es ist nicht verboten mehr Haut zu zeigen, aber da du sowieso auffallen wirst und entsprechend beobachtet wirst, empfand ich es als angenehmer mich auch etwas bedeckter zu kleiden, um weniger Blicke auf mich zu ziehen
  • Sag deutlich „Nein“, wenn du etwas nicht möchtest. Verzichte auf falsche Höflichkeit verzichten und setze deine Grenzen deutlich.
  • Seit nachts nicht allein auf den Straßen unterwegs. Nimm dir lieber für ein paar Rupien ein Taxi, das dich sicher bis zum Hotel bringt.
  • Wähle die richtige Route. Ich rate davon ab, als Frau bzw. „Indien-Einsteiger“ die ärmsten Regionen Indien zu bereisen. Fang lieber mit touristischen Gegenden an.
  • Meide unbedingt die Slums.
  • Meide Gedränge. Hier verliert man schnell den Überblick. Das ist nie gut.
  • Fahre in Mumbai nicht mit der Metro. Dies gilt übrigens auch für alle nicht Alleinreisende, die noch keine Erfahrung mit dem Land haben.
  • Das indische Nachtleben ist zwar eine tolle Erfahrung, aber erkunde es ausschließlich in Begleitung. So ersparst du dir aufdringliche Annäherungsversuche.
  • Höre auf dein Bauchgefühl.

Indien und seine Bewohner sind so vielfältig wie Europa. Und genau wie in Europa lässt sich Indien auch nicht als komplett sicher oder unsicher kategorisieren. Doch mit einer gewissen Portion Respekt und ein bisschen Mut kann eine Reise durch Indien ganz großartig werden.

So wie meine. Übrigens war ich vom Land und seinen Leuten damals so begeistert, dass ich schon zwei Monate später noch einmal nach Indien flog.

Eure Friederike