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Der Abend, als ich in Shanghai „haarige Krebse“ aß

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Hallo, mein Name ist Laura. In den letzten Jahren habe ich auf Mallorca studiert, ich war für mehrere Monate in Argentinien und für drei Monate beruflich in Shanghai. In dieser Zeit konnte ich diese Orte wunderbar in allen Facetten kennenlernen. Ich möchte euch in meinem nachfolgenden Artikel aber einen ganz bestimmten Ort näherbringen: Shanghai, meine verrückte Kurzheimat, in der ich mich seltsamerweise auf Anhieb wohl fühlte.

Shanghai, der leuchtende Metropol-Dschungel

Letzte Woche scrollte ich durch die Bilder auf meinem Handy und blieb bei den Fotos aus Shanghai hängen. Vor zwei Jahren zog ich für mehrere Monate in die chinesische Großstadt, um ein Praktikum bei einer Eventagentur zu machen. Als ich nun die Bilder sah, kamen die eindringlichsten Erinnerungen in mir hoch. Ich erinnerte mich an verrücktes Essen, die Hürden des Großstadt-Dschungels und sehr viel Spaß. Ein paar meiner Erlebnisse möchte ich in diesem Gastbeitrag mit euch teilen.

Shanghai hat in der Dunkelheit einen ganz besonderen Zauber. Zwar ist die Stadt auch während des Tages schön, doch verliebt habe ich mich, als ich gleich in der ersten Nacht meines Aufenthalts auf der leuchtenden Glitzer-Straße Nanjing Road stand. Als ich den bunten Lichtern entgegensah, wusste ich: „Das wird eine tolle Zeit hier!“

Shanghai ist geteilt in den „alten“ Stadtteil Pudong und den moderneren Teil Huangpu. Die zwei Stadtteile sind getrennt durch den Bund – eine weltberühmte Uferpromenade entlang des Flusses Huangpu. Wer hier entlangspaziert hat einen direkten Blick auf das Wahrzeichen der Stadt: den Oriental Pearl Tower. Hier ist es insbesondere bei Anbruch der Dunkelheit schön. Zur Mittagszeit kann ich einen Besuch des Bunds nicht empfehlen, da dann riesige Horden an Touristen vor Ort sind und die besondere Stimmung des Orts verlorengeht.

Tipps und Tricks fürs Überleben des Metropol-Dschungels

Leider musste ich am eigenen Leibe erfahren, dass die Kommunikation mit den Chinesen richtig schwierig ist. Klar, man ist auf einem anderen Kontinent. Doch dass mir selbst meine guten Englischkenntnisse in einigen Situationen nicht weitergeholfen haben, hat mich kalt erwischt. Nicht mal die Taxifahrer sprechen Englisch! Also: Was macht man da?

Ich habe mir angewöhnt, vor der Abfahrt die Zieladresse in chinesischer Schreibweise auf meinem Handy zu speichern. Dafür gibt es viele Websites für Touristen in Shanghai. So konnte ich dem Taxifahrer einfach mein Handy mit der chinesischen Adresse zeigen – ein echter Überlebens-Tipp!

Taxi fahren ist im Übrigen günstiger, wenn man eine der chinesischen Taxi-Apps nutzt. Das Beste dabei: viele davon sind auch auf englisch verfügbar und daher super für jeden, der der chinesischen Sprache nicht mächtig ist.

Ob es die Straße, die U-Bahn oder ein ganz normales Restaurant ist, Körperkontakt ist vorprogrammiert. Daran muss man sich in China gewöhnen. Die Chinesen sind es gewöhnt mit vielen Menschen auf engem Raum zu leben. In China leben so viele Menschen, dass es immer voll ist, egal wo man sich befindet. Für europäische Verhältnisse gehen die Menschen dort daher ziemlich ruppig miteinander um. Wer im Weg steht, wird einfach umgerannt!

Einmal bin ich aus lauter Schusseligkeit die Treppe zur U-Bahn runtergefallen. Meine chinesischen Freunde konnten es kaum fassen, dass gleich mehrere Leute herbeieilten, um mir wieder auf die Füße zu helfen. Laut ihnen hätten die Chinesen das niemals für einen anderen Chinesen getan und dass die freundliche Art nur wegen meines europäischen Aussehens zutage kam. Viele Chinesen reden tatsächlich sehr negativ über das eigene Volk, doch an die anderen Gepflogenheiten muss man sich gewöhnen. Wenn man es schafft, das einfach hinzunehmen, erwarten einen in China unfassbar spannende Erlebnisse.

Der Abend an dem ich „hairy crabs“ aß

Am meisten liebte ich in Shanghai das Essen. Ich bin ein Foodie und musste daher alles probieren, was mir meine chinesischen Kollegen vorsetzten. Teilweise bin ich leider an der Schärfe der Gerichte gescheitert, weil die Shanghaier Küche recht würzig ist und ich mit zu scharfem Essen meine Probleme habe.

Einmal bestellte ich in einem Restaurant Oktopus am Spieß. Das Teil war so scharf, dass meine Zunge schon nach den ersten Bissen in Flammen stand. Da der kleine Spieß umgerechnet jedoch ganze 7 Euro kostete, quälte ich mich durch das scharfe Gericht und aß es tatsächlich ganz auf. Wenn ich die Geschichte erzählte, rede ich heute nur noch vom „Spieß des Todes“.

An einem anderen Abend bestellte meine Kollegin mir hairy crabs – also haarige Krebse. Ich dachte: „Jetzt ist der Höhepunkt meiner Reise durch das verrückte Essen Chinas erreicht.“ Doch es kam noch verrückter: Erdnüsse, die mit der kompletten Schale eingelegt waren, Suppe mit Flussschlangen-Einlage und Skorpion am Spieß!

Aber es war natürlich nicht alles so gewöhnungsbedürftig. Meine Top 3 Gerichte aus Shanghai, bei denen mir schon beim Gedanken daran das Wasser im Mund zusammenläuft, sind:

Platz 1: Hot Pot

Eine Art chinesisches Fondue, bei dem man zwischen vegetarischen, fleischhaltigen oder scharfen Suppen als Grundlage auswählt. Diese Suppe wird im Hot Pot auf eine Art Herdplatte gestellt und man kann sich die unterschiedlichsten Dinge selbst garen, zum Beispiel verschiedenes Fleisch, Pansen, Tofu, Gemüse, Enoki-Pilze und vieles mehr.

Platz 2: Xiao Long Bao

Kleine mit Fleisch und Brühe gefüllten Teigtaschen. Diese kleinen Schätzchen gibt es in Shanghai zu Spottpreisen. Deswegen habe ich sie während meines Aufenthalts sogar mehrmals täglich gegessen. In einem Restaurant gab es die Xiao Long Bao sogar in dreifacher Größe, mit dementsprechend mehr Brühe und Fleisch. Damals war ich ganz aus dem Häuschen, dass man erst mit einem Strohhalm die Brühe ausschlürfen und dann den Rest der Teigtasche vernaschen konnte. Das war super!

Platz 3: Eingelegte Qualle

Das muss man unbedingt probiert haben! Ich weiß, bei Quallen weiß man erst nicht so recht, wie es schmecken soll. Lasst mich versuchen, es zu beschreiben: Wenn man Chinakohl dünstet und er noch leicht bissfest bleibt und man sich die Konsistenz etwas gummiartiger vorstellt, kommt man nah an die Konsistenz einer zubereiteten Qualle heran. Die Mischung aus der Konsistenz und dem chinesischen Essig ist außergewöhnlich. Verpasst das auf keinen Fall!

Übrigens: Achtung, wenn ihr Hähnchen bestellt. Meist ist das mitsamt Knochen gekocht worden und daher ziemlich schwer mit Stäbchen zu essen.

Eine Skyline soweit das Auge reicht

Die Shanghaier wissen, wie man die Zeit nach dem Sonnenuntergang am schönsten verbringt. Ob bei der Auswahl einer Bar oder eines Restaurants: man macht in jedem Fall alles richtig, wenn man einen Ort mit Blick auf die Skyline auswählt.

Am meisten ist mir die Hotel-Bar des Ritz-Carlton Hotels in Pudong im Gedächtnis geblieben. Diese Bar befindet sich im atemberaubenden 58. Stockwerk auf der Dachterrasse des Luxushotels mit direktem Blick auf den Oriental Pearl Tower. Der Turm scheint greifbar, wenn man es sich hier gemütlich macht und einen der gut gemixten, aber nicht ganz günstigen Drinks bestellt. Die Rooftop-Bar ist nicht nur die höchste in Shanghai, sondern sogar in ganz China. Meiner Meinung nach sollte man für die phänomenale Aussicht die hohen Preise zumindest für einen Besuch in Kauf nehmen.

Wenn man ein kleineres Reisebudget hat, dann empfehle ich die Captain Bar. Hier sollte man unbedingt einen Platz der Terrasse ergattern, um die tolle Aussicht auf den Bund und die Shanghaier Skyline zu genießen.

Wer sich danach noch ins Nachtleben stürzen möchte, sollte der Bar Rouge und dem M1nt einen Besuch abstatten. Im M1nt werden einem bereits am Eingang Hai-Aquarien geboten, bei der Bar Rouge handelt es sich um einen Nachtclub mit einer Terrasse, die ebenfalls einen Ausblick auf die Skyline von Shanghai zu bieten hat. Wie man an den Empfehlungen bereits erkennen kann, dreht sich in Shanghai alles um den Ausblick auf die Stadt.

Ich habe während meines Aufenthalts im Viertel French Concession gewohnt. Das Viertel hat ein romantisches, französisches, schickes Flair und fühlt sich wie eine tolle Mischung aus Shanghai und Europa an. Hier gibt es viele Straßen-Cafés und Bäckereien mit Stühlen draußen, Alleen mit wunderschön geschwungenen Bäumen und unzählige Parks, als ob man in einer chinesischen Version Frankreichs wäre. Die French Concession gehört seit dem späten 19. Jahrhundert zur chinesischen Metropole und ist daher tief in der Seele Shanghais verwurzelt.

In der French Concession findet man außerdem noch das Tianzifang – ein kleines Künstlerviertel mit über 200 kleinen Cafés und Kunstläden. Hier wurden die traditionellen Shikumen, ein traditioneller Architekturstil aus Shanghai, teilweise erhalten. Wenn man dort durch die kleinen Gassen läuft, hat man das Gefühl, man ist nicht in diesem modernen Shanghai, sondern in einem Shanghai aus vergangener Zeit. Tianzifang sollte auf den Plan jedes Shanghai-Sightseeing-Trips!

Ich hoffe, ich konnte euch Shanghai so näherbringen, wie ich es kennenlernen durfte. Vielleicht geht eure nächste Reise ja in die chinesische Metropole?

Meine Freunde in der reiselounge Ostfildern stellen euch gerne vom Flug über Hotel und Ausflüge in ganz China oder sogar eine ganze Rundreise nach euren Wünschen zusammen. China ist in den letzten Jahren ein richtiges Trendreiseziel geworden, weil es nicht mehr so schwer zu bereisen ist, kulturell viel zu bieten hat, und Städte wie Shanghai anlocken. Ich kann euch das Land nur empfehlen.

Eure Laura
Laura Langner
Laura Langner
Hallo, ich bin Laura! Ich reise schon seit vielen Jahren um den Globus. Als mich die Mädels aus der reiselounge baten, mal einen Artikel für den Blog zu schreiben, sagte ich sofort zu. Ich schrieb etwas über Shanghai, wo ich einmal mehrere Monate lebte. Viel Spaß beim Lesen!